Heimatbuch des Kreises Höxter (Homebook of the County Höxter)

The homebook of the county consists of two volumes published in 1925 and 1927 on request of the county council. These two volumes contain articles concerning places and events of the county of Höxter. Relevant regarding this collection may be the information about the parish of vinsebeck.

Volume 1, page 53f (Zur Geschichte der Pfarrei Steinheim):

Während unter dem Bischof Heinrich von Lauenburg ein großer Teil des Fürstbistums dem Landesherrn foglend, sich der neuen Lehre zuwandte, selbst die Hauptstadt Paderborn, trat eine scharfe Wendung unter seinem Nachfolger Theodor von Fürstenberg ein, der 1585 zum Bischof gewählt wurde. Er ist der Wiederhersteller des Katholizismus im Fürstentum Paderborn und bediente sich hierzu des Jesuitenordens. Als Landesherr nahm er das Reformationsrecht in Anspruch und setzte die lutherischen und kalvinistischen Prediger ab, oder veranlaßte sie zur Umkehr. Schwieriger aber noch war sein Kampf mit dem protestantischen Adel seines Standes, der sich der Einführung seiner Agende, welche nur den katholischen Gottesdienst gestattete, heftig widersetzte. Zum Jahre 1603 verbündeten sich die Städte Paderborn, Brakel, Lügde und Steinheim mit etwa 50 Adelige, unter denen sich die Vinsebecker und Wintruper Hermann und Simon von Lippe, Tönnies von Harthausen, Bernd und Raban von Oeynhausen (Eichholz) befanden, gegen ihren Landesherren.
Die Opponenten griffen zum offenen Aufruhr und bemächtigten sich der bischöflichen Güter ihrer Bezirke und riefen den protestantischen Landgrafen Moritz von hessen zu Hilfe. Der Bischof hingegen rief Kaiser und Reich an. Durch Vergleich vom 15. Juni 1608 verpflichteten die Gegner sich zur Annahme der Agende und entsagten unter einer Geldstrafe von 3000 Talern dem hessischen Bündnisse.
In dieser Zeit der religiösen Wirren hatten auch die Nachbardörfer Bergheim und Vinsebeck mit ihren Adligen von der Lippe zu Wintrup in Vinsebeck sich der Lehre Luthers zugewandt. Über die früheren Verhältnisse von Vinsebeck berichtet das dortige Lagerbuch der Pfarrei: Es ist ungewiß, ob vor der Reformation dort schon eine eigene Pfarrei bestand. Jedenfalls befand sich dort schon eine Kirche, da eine Meßglocke, dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht, aus dem Jahre 1505 sich später noch vorfand. Verschiedene Urkunden lassen vermuten, daß Vinsebeck vor der Reformation eine Pfarre bildete, welche in den Reformationszeiten einging, da die Einwohner protestantisch wurden. Vinsebeck wird 1480 in einem Register des Archidiakonats Steinheim genannt; somit ging die Kirche in den Besitz von protestantischen Pastören über und waren die katholischen Bewohner gezwungen, den Gottesdienst in der Kirche zu Steinheim zu besuchen. Schließlich wurde Vinsebeck nach Steinheim eingepfarrt, während Bergheim der Pfarrei Sandebeck zugeteilt wurde. Die protestantische Periode Vinsebecks dürfte rund 100 Jahre gedauert haben. Im Jahre 1662 wurde auf Antrag der Vettern Simon Moritz und Friedrich von der Lippe zu Vinsebeck und Bernd Heinrich von der Lippe zu Wintrup unter Bischof Ferdinand von Fürstenberg das Dorf Vinsebeck von der Pfarrei Steinheim, und Bergheim von Sandebeck abgepfarrt und die Pfarrei Vinsebeck errichtet oder wieder neu gegründet. Sie wurde von den Herren von der Lippe mit entsprechenden Einkünften ausgestattet, wofür diese das Präsentationsrecht erhielten. Der mittlere Teil der Kirche stammt nach eine Inschrift aus dem Jahre 1605, er wurde 1609 von Simon von der Lippe und Goda von Spiegel nach Osten um eine Kapelle erweitert; 1668 wurden die Flügel und Seitenschiffe angebaut. Der jetzige Turm wurde 1740 neu gebaut. In dieser Kirche haben die Herren von der Lippe sich ein schönes Denkmal gesetzt, was auch die sehenswerten Epitaphien an den Seitenaltären und an den Wänden bekunden. Sie ist eine interessantesten, schönsten Kirchen der ganzen Gegend, welche den Stil und Geist des Mittelalters bei der fachgemäßen Restauration der letzten Jahre bewahrt hat, was man leider von der Steinheimer Kirche nicht behaupte kann.

Volume I, page 156. For a fast overview how many people lived in the villages this is a part of the person statistics of October, 10th 1924:

Volume II, page 73ff:

Zur Geschichte der Pfarrei Vinsebeck

Von Pfarrer Jungmann in Vinsebeck

In dem ältesten Kirchenbuche der Pfarrei Vinsebeck, das mit der Neuerrichtung der Pfarrei im Jahre 1664 beginnt, liest man auf der Einbanddecke folgende Inschrift des Pfarrers Mathias Beitelmann:

“Post exulcerata belli tempora haec Ecclesia velut phoenix
ex cineribus rediviva resultavit”
sub annum 1664.
“Nach den Wunden der Kriegszeit ist diese Kirche wie
ein Phönix aus der Asche wieder erstanden”
im Jahre 1664.

Welches waren die Schicksale der Pfarrei vor dem Jahre 1664? -- Im ältesten vorhandenen Lagerbuche aus dem Jahre 1716 findet sich von der Hand des Pfarrers Eisebius Pauli die Bemerkung, dass “schon vor 500 Jahren in Vinsebeck eine Pfarrei bestanden, wa eine Urkund der Pfarrei Sandebeck beweise, die im Jahre 1257 ein Pfarrer Henrikus in Vinsbike als Zeuge unterschrieben habe”. Die Urkunde ist jetzt im Westf. Urk.-Buch abgedruckt. In einem Verzeichnis der Pfarreien des Archidiakonates Steinheim aus dem jahre 1251 wird Vinsebeck noch nicht genannt. Zwischen 1231 und 1237 muß demnach die Pfarrei entstanden sein.

Über diese alte Pfarrei weiß derselbe Pfarrer Pauli zu berichten, daß “von ihren Einkünften, abgesehen von einigen Morgen Land, nichts mehr vorhanden” sei. Vermutlich sind die Pfarrländereien und -renten in den wilden Zeiten des 30jährigen Krieges verloren gegangen.

In der Reformationszeit wurden der Pfarrei, wahrscheinlich von dem protestantisch gewordenen Herrn von der Lippe, lutherische Prediger vorgesetzt. Jahrzehntelang versahen diese allein den Gottesdienst in Vinsebeck, bis der Fürstbischof Theodor von Fürstenberg, der Wiederhersteller des katholischen Glaubens im Hochstift Paderborn, von dem damals geltenden Rechte der Landesherren, die Religion in ihrem Lande zu bestimmen, Gebrauch machte, dem letzten lutherischen Prediger in Vinsebeck die Kirche verschließen ließ und der Gemeinde eine katholische Agende zuschickte, nach der man sich richten solle. Aber an dem Widerstande der Herren von der Lippe, die mit den benachbarten Städten und dem Adel gegen ihren Landesherrn verbündet waren, scheiterte die Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes in Vinsebeck, und so sahen sich die katholisch gebliebenen Bewohner genötigt, dem Gottesdienste in Steinheim beizuwohnen. In der Folge wurde der Ort nach Steinheim eingepfarrt. Jahrzehntelang war nun Vinsebeck ohne katholischen Seelsorger und Gottesdienst, bis endlich im Jahre 1662 unter dem Fürstbischof Ferdinnd von Fürstenberg die Pfarrei neu errichtet wurde. Wohl annähernd 100 Jahre dürften die religiösen Wirren in Vinsebeck gedauert haben.

Schon im Jahre 1631 richtete der Erbherr Simon v. d. Lippe zu Vinsebeck, der inzwischen wieder katholisch geworden war, ein Schreiben an den Fürstbischof Ferdinand von Bayern, in dem er untertänigst bittet, wieder einen tauglichen katholischen Pastor nach Vinsebeck zu schicken. Das interessante Schreiben, das in beglaubigter Abschrift sich im Pfarrarchiv befindet und die damaligen religiösen Zustände in Vinsebeck beleuchtet, sei hier in seinem Wortlaut mitgeteilt:

“Hochwürdiger, durchlauchtigster Kurfürst, großer Herr! Ew. Kurchfürstlichen Durchlaucht kann ich aus bewegenden Ursachen in Unterthänigkeit vorzubringen nicht umgehen, wie daß in meinem in Ew. Kurfürstlichen Durchlaucht Stift Paderborn gelegenen Dorf, so Vinsebeck genannt, darin auch unser adeliges Stammhaus gelegen, die Kirche mit unkatholischen, vermeinten Sellsorgern eine lange Zeit übel bedienet und versehen worden, und obwohl Ew. Kurfürstlichen Durchlaucht Antecessor (Vorgänger) Bischof Theodorus hochseligen Gedächtnisses recht angeordnet, all solche pastores abzuschaffen und den alten wahren Gottesdienst wieder einzuführen, auch sogar dem letzten die Kirch hat verschließen lassen und eine katholische Agende geschicket, darnach man sich richten solle, ist dennoch kein katholisch Exercitium (Gottesdienst) noch auch Pfarrherr allhier gewesen, theils, weil fast alle unseres Stammes und ich selbst der kath. Lehr nicht gar zugethan, teils auch, weil der vorige Prediger nur 50 Thlr. an Früchten hatte und sehr genau sich, seine Frau und Kinder mit anderer schlechter Arbeit behelfen und ernähren mußte, welches einem kath. Priester nicht gebühren will, sind also mit mir alle in dieser Dorfschaft Wohnhafte genötigt worden, in der nächsten Pfarrkirch zu Steinheimb dem Gottesdienst beizuwohnen, und alle Sonn- und Feiertage einen so langen, den Alten und Schwachen, sonderlich zur Winterszeit ungelegenen Wege zu gehen und mit höchster Gefahr der jungen Kinder und Kranken die hl. Sakramente allsoweit zu fordern. Dieweil aber die Unterthanen alle miteinander, soweit man wissen kann, katholisch sind, und mir auch der barmherzigste Gott dergleichen Gnade widerfahren lasen, wäre unser höchstes Verlangen, einmal mit einem tauglichen katholischen Priester versehen zu sein, und weil in der Kirch binnen Steinheimb eines von meinem Vorvatter gestiftetes beneficium (mit einem Kirchenamt verbundenes Einkommen) sub tit. S. Joh. Evangelistae jetzung durch den Tod des Herrn Rektor Sechleri frei geworden ist, welches ohngefähr 70 Thlr. thuet, und mir als Ältesten des Stammes und von meinen Vettern Bevollmächtigen das Präsentationsrecht über selbiges zustehet: also gelang an Ew. Kurfürstl. Durchlaucht meine unterthänigste Bitte, es wolle Ew. Kurfürstl. Durchlaucht als Ordinarius der Diözese hierin gnädigste Verordnung thun, damit all solches beneficium hierin zu dieser Pfarrkirche übertragen und einverleibt werde; so dies aber noch was zu gering sein sollte, sind unser etliche bereit, noch etliche Goldrenten dabei zu vermachen und die Competenz zu verbessern. Auf diese Weise werden wir verhoffentlich wohl einen tauglichen Pastoren erhalten und bei uns haben mögen; auch Schwache, so in Lebens- und Seligkeitsgefahr geraten sollten, möchten etwas besser versehen werden, als bisher leider etlichen widerfahren ist. Dieses ersuchen an Ew. Kurfürstl. Durchlaucht als unsern liebsten Oberherrn und Hirten, und begehren wir auf’s herzlichste und vertraulichste, werden es auch wiederum zu Verschulden in alleweg nachmöglichst beflissen sein.

Aus Vinsebeck, den 25. Brachmonats 1631
Ew. Kurfüstl. Durchlaucht
unterthänigster und gehorsamster
Simon von der Lippe”

Weshalb nun dieser Bitte des Stammherrn Simon von der Lippe nicht gleich entsprochen wurde und die Neuerrichtung der Pfarrei sich bis zum Jahre 1662 verzögerte, dafür gibt eine Fußnote als Grund an, “weil der Abt und Konvent zu Marienmünster der Übertragung des Beneficiums S. Joh. Evang. von der Kirche zu Steinheim in die Kirche zu Vinsebeck und ebenso der Abpfarrung der Dorfschaft Vinsebeck von der Pfarrei Steinheim eine Zeitlang widersprochen habe”. Im Jahre 1662 wurde dann endlich auf Antrag der Vettern Simon Moritz und Friedrich von der Lippe zu Vinsebeck und Bernd Heinrich von der Lippe zu Wintrup unter dem Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg die Pfarrei Vinsebeck neu errichtet; zwei Jahre später, im Jahre 1664, wurde auch die Dorfschaft Bergheim von der Pfarrei Sandebeck gelöst und der neuerrichteten Pfarrei zugewiesen.

Auch kam schließlich unter dem Fürstbischof Hermann Werner Freiherrn v. Wolff-Metternich zur Gracht die Übertragung des genannten Benefiziums von Steinheim nachVinsebeck in friedlicher Übereinkunft zwischen dem Abte von Marienmünster und den Herren von der Lippe am 10. März 1689 zustande, jedoch unter der Bedingung, daß das Benefizium nach Aussterben der männlichen Linie der Familie von der Lippe nach Steinheim zurückverlegt werden solle, dabei aber der Inhaber des Benefiziums in Steinheim die Verpflichtung habe, an allen Sonn- und Feiertagen in Vinsebeck die Frühmesse zu halten und den dortigen Pfarrer im Katechesieren zu unterstützen. Daß unter diesen Umständen die Zurückverlegung des Benefiziums in die Kirche von Steinheim für diese völlig wertlos war, liegt auf der Hand. Trotzdem beantragte im Jahre 1886 der Kirchenvorstand von Steinheim die Zurückverlegung. Da aber die männliche Linie der Familie von der Lippe bereits im Jahre 1767 durch den Tod des letzten Erbherrn Moritz Anton von der Lippe erloschen war und Steinheim über 100 Jahre mit der Geltendmachung seiner Rechte gewartet hatte, lehnte der Kirchenvorstand von Vinsebeck die Forderung wegen Verjährung ab. Jetzt, wo infolge der Inflation das Stiftungsvermögen fast vollständig entwertet ist, wird dieser Rechtsstreit zwischen Steinheim und Vinsebeck wohl für immer begraben sein.

Durch die Einbeziehung der bis dahin nach Sandebeck eingepfarrten Gemeinde Bergheim in die neueerrichtete Pfarrei Vinsebeck bot die im Jahre 1605 erbaute Pfarrkirche bald für beide Gemeinden keinen hinreichenden Raum. Deshalb ließ Simon Moritz von der Lippe im Jahre 1668 dieselbe durch die beiden weit ausladenden Kreuzflügel vergrößern. Die Kirche ist ein einfacher, schlichter Bau, der sich nicht wie so manche neue Dorfkirche protzig aufdrängt, sondern anmutig sich dem Dorfbilde einfügt. Aber so einfach und schlicht sie in ihrem Äußeren ist, so reich und prächtig ist die Ausstattung im Inneren. Neben den schönen Barockaltären zieren die Kirche sehenswerte Epitaphien der Familie von der Lippe. Besonders kostbar ist das Philipp Jakobs von der Lippe, der im Jahre 1697 im Lager zu Heidelberg als letzter seiner Linie verstorben. Das Denkmal, das sich im nördlichen Kreizarm befindet, ist in einer Höhe von fünf Metern in Sandstein und Marmor gearbeitet und reich gegliedert. Das Mittelstück zeigt den Edelherrn, wie er, von einem Engel geleitete, das hhl. Sakrament anbetet, das, umgeben von zierlichen Engelköpfen, in einer Wolke thront. Das Ganze ist umgeben von 15 stolzen Wappenschildern und flankiert von den beidne Namenspatronen, den Aposteln Philippus und Jakobus. In der Höhe thront die Gottesmutter mit zwei allegorischen Figuren, die den Glauben und die Hoffnung versinnbildlichen.

Nicht weniger beachtenswert ist auch das Grabdenkmal, das sich Adolph Friedrich von der Lippe, Jubilar und Senior des Domkapitels zu Hildesheim, im südlichen Kreuzarm der Kirche bereits zu Lebzeiten im Jahre 1751 errichten ließ. Dasselbe stellt im unteren Felde de Tod dar: die Schmerzensmutter mit dem Leichnam ihres göttlichen Sohnes auf dem Schoße; reizende Engelchen tragen die Leidenswerkzeuge. Im oberen Felde ist die Auferstehung dargestellt: der auferstandene Heiland mit der Siegesfahne in der offenen Gruft; zu seinen Füßen liegen die betäubten Wächter, und im Hintergrunde erhebt sich strahlend die Ostersonne. Im Jahre 1752, also ein Jahr nach der Errichtung des Denkmals, starb der Domherr zu Hildesheim und fand zu Füßen des Denkmals seine letzte Ruhestätte.

Als Kuriosum sei noch erwähnt das an der nördlichen Chorwand befindliche Grabmal der Anna von der Lippe aus dem Jahren 1591. Neben der Edelfrau, die mit ihrem Gemahl betend zum Kreize aufblickt, erscheint ihre Nachkommenschaft: sieben junge Edelherren und drei Edelfräulein in betender Haltung, darunter zwei Säuglinge in zierlichen Stehbettchen, alle in kerzengerader Stellung und mit spanischer Halskrause.

Es gibt wohl keine Kirche in Kreise Höxter, die solche interessante und prächtige Grabdenkmäler aufzuweisen hat als die Kirche in Vinsebeck. Bei dem Erneuerungsbau in den letzten Jahren (1922 und 1925) ist das Alte sorgfältig geschont und hat die Kirche ihren alteherwürdigen Character nicht verloren.

And finally a picture out of volume II: